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Hypotonie

Chronische arterielle Hypotonie und orthostatische Hypotonie


Eine Hypotonie liegt vor, wenn der systolische (obere) Blutdruck unter 100 mm HG liegt.

Herzgesunde, gut trainierte Menschen können solch niedrige Werte entwickeln. Alltagsbelastungen stellen für sie keine wesentliche Belastung dar, ihr Kreislauf befindet sich quasi im Ruhezustand. 

Hypotonie: Unsere Blutdruckregulation unterliegt physikalischen Gesetzen

Wenn wir unsere Körperhaltung ändern, folgt das Blut der Schwerkraft. Hätten wir nicht einen Mechanismus zur Gegenregulation erginge es uns schlecht. So würde unser Blut regelhaft in den Beinen und den Eingeweiden versacken, wenn wir plötzlich aufstehen. Die Folge wäre, dass unser Gehirn als der höchste Punkt des Körpers schlagartig unterversorgt wäre. Wir würden massiven Schwindel, Kopfschmerzen und Ohrensausen entwickeln, es würde uns übel und schwarz vor Augen. Wir würden womöglich ohnmächtig werden.

Dass dies normalerweise nicht geschieht, verdanken wir unserem autonomen Nervensystem. Das Versacken von größeren Mengen Blutes in unseren Beinen (tiefster Punkt im Stehen) wird durch die Aktivierung des Sympatikussystems verhindert. Dieses Nervengeflecht provoziert die Adrenalinausschüttung aus dem Nebennierenmark. Es kommt zu einer blitzartigen Engstellung der Beinarterien und Drosselung der Eingeweidedurchblutung, die Herzfrequenz wird erhöht, wir werden blass, haben kalte Extremitäten (gedrosselte Hautdurchblutung) und Schwitzen womöglich. Aber wir fallen nicht um.

Nun, bei den meisten Menschen funktioniert dieses System und wir stehen ggf. ja auch etwas langsamer auf.

Hypotonie - Wer ist betroffen?

Die erwähnte Engstellung der Arterien funktioniert bei fortgeschrittener Arteriosklerose zunehmend schlechter. Es kommt ja zu einem Elastizitätsverlust der Arterien. So erklärt sich, dass Menschen im höheren Alter oder mit vorgeschädigtem Gefäßsystem (s. unter arterieller Hypertonie) auch vermehrt unter solchen Kreislaufregulationsstörungen leiden.

Eine Querschnittregulation der Arterien funktioniert jedoch auch nicht mehr, wenn die dafür verantwortlichen Nerven geschädigt sind. Dies kann allgemeine Folge einer Arteriosklerose sein (auch die Nerven benötigen eine Blutversorgung), oder durch andere Grundkrankheiten bedingt sein.

Betroffen ist aber auch die sehr große Gruppe häufig junger Menschen, meist Frauen von eher leichtgliedrigen Körperbau (leptosomer Typ). Sie kommen mit der Neigung zu niedrigen Blutdruckwerten auf die Welt. Man spricht bei dieser Gruppe von sog. Primären Hypotonie n.

Bei diesen Menschen ist der Spannungszustand der Arterien (Gefäßtonus) chronisch niedrig, das System bewegt sich also immer nahe an der Schwelle zur Dekompensation. Diese Menschen sind aber gesund. Mehr noch, ihr Kreislaufsystem arbeitet sehr schonend, es altert also viel langsamer als etwa das der Hypertoniker. Aber diese Menschen fühlen sich oft schlapp, rasch ermüdbar, besonders die erste Tageshälfte fällt schwer. 

Hypotonie - Was kann man tun?

Bei den sekundären Formen der Hypotonie (die Kreislaufregulationsstörungen sind Folge einer Grundkrankheit) versucht man die Grundkrankheiten zu behandeln. Also etwa den Diabetes optimal einzustellen, die Herzrhythmusstörungen zu mildern, die Hypertonie zu therapieren.

Bei der primären Form der Hypotonie versucht man den Blutdruck eher zu heben bzw. ein Versacken von Blut zu verhindern. Sportarten, die mit einer Kräftigung der Wadenmuskulatur einhergehen, sind ebenso hilfreich wie häufiges kaltes Abduschen der Beine, um hier die Hautdurchblutung zu verringern. Kräftige Waden befördern Blut leichter aus den Beinen in den übrigen Körperkreislauf (Muskelpumpe). Antithrombosestrümpfe haben einen ähnlichen komprimierenden Effekt. Kreislaufanregende Mittel wie Kaffee können ebenso hilfreich sein um besonders die vormittäglichen Anlaufschwierigkeiten zu überwinden.

Medikamente, die anregend wirken, wie z.B. Effortil können versuchsweise eingesetzt werden, sind den genannten Maßnahmen aber oftmals unterlegen. 

Bitte bedenken Sie: in diesen Fällen handelt es sich nicht um eine Krankheit. Aber leider ist eine ursächliche Behandlung der Hypotonie nicht möglich. Die geschilderten Methoden sind jedoch durchaus wirksam, wenn sie auch eine stetige Überwindung von den Betroffenen verlangen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit!
Ihr Team von der Wicker-Klinik, Bad Wildungen

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Aktualisiert: Juli 2010

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